Sonntag, Oktober 29, 2006

Ziel des blog

Austausch über die in dem Seminar "Philosophie nach Marx" - siehe Chr. Henning 2005 - entstehenden Fragen.

Kommentare:

feigenblaetter hat gesagt…

Hallo Anna,
ja, so müsste es klappen!

feigenblaetter hat gesagt…

> Inhaltlich skizziert mike angesichts des „Kernpunkts I“
> (Reproduktionsschemata vom Ende KAPTAL bd. II) den Beginn von
> KAPITAL
> bd. I : ungeheure Warensammlung / Grundstufe: Austauschverhältnis
> kapitalistisch hergestellter Waren: Wertform / Wertsubstanz:
> formbestimmte gesellschaftliche Arbeit/ Wertgröße
> Anwendung dieser 3 Aspekte des WERTS auf menschliche Arbeitskraft
> als
> „Ware 2ter Stufe“: der Wert der Ware Arbeitskraft (AK) löst sich auf
> in
> die Summe der zur reproduktion der ak verwandten Waren der
> Grundstufe,
> der „Lebens-Mittel“-Waren (Lm). Deren Umfang wird in Kämpfen
> durchgesetzt.
> Diese Analyse der Ware (höherer Stufe) Arbeitskraft ermöglicht die
> lösung des „mehrwerträtsels“: wenn die Arbeitszeit länger ist als
> die
> (zur herstellung der Lm) notwendige Arbeitszeit (AZ), produzieren
> lohnarbeiter nicht nur waren, sondern mehrwert (m). die über die
> notwendige AZ hinausgehende Arbeit ist „Mehrarbeitszeit“. Diese wird
> angeeignet (in verschiedenen Weisen) durch die (die AK von
> Lohnarbeitern) – wie ein Rohstoffvorkommen- „ausbeutenden“ Klassen.
> Direkter Gegenpart ist der Unternehmer als „produktiver Kapitalist“.
> Sie/Er leiht sich ak gegen ein lohnversprechen, Grund gegen Rente,
> Geld
> (zum Kauf schon industriell produzierter Produktionsmittel Pm) gegen
> Zins. Diese drei formen von einkommen (engl. revenue) scheinen nun
> dem
> jeweiligen eigentum, drei dinglichen quellen/fetischen zu
> entspringen.
> Sparkasse KN: „bei uns arbeitet ihr geld für sie“ – auf der
> oberfläche
> ist die wert – und mehrwertsubstanz in einer „eigentümer-religion“
> des
> kapitalistischen alltags versteckt. Krisen machen freilich klar,
> dass
> die revenuequellen nur im zusammenhang gesellschaftlicher arbeit
> sprudeln. Und dieser zusammenhang und seine krisen sind auch in den
> repro-schemata thema.
>
> Offenbar sind die KERNPUNKTE sehr frei gewählt und fassen nicht den
> Argumentationsgang der Marxschen Kapitalanalyse abschnittsweise
> systematisch zusammen.
> Angesprochen wird der Zustand des Marxschen Werks als Fragment einer
> systematischen Darstellung des epochalen gegenstands: gesellschaft,
> in
> der kapitalistische produktionsweise herrscht. Diese scheint heute
> so
> umfassend zu sein wie nie. Dies lässt die verbreiteten reden von
> immer
> neuen „stadien“ – in denen je eigene gesetze gelten – erscheinen
> als ablenkend von der zu verändernden Kernstruktur.

Anna hat gesagt…

Protokoll zur 2. Sitzung:

Textgrundlage: Einleitung. In: Christoph Henning: Philosophie nach Marx. 100 Jahre Marxrezeption und die normative Sozialphilosophie der Gegenwart in der Kritik. Bielefeld 2005, S. 11-26. Die Einleitung ist auch als Leseprobe über den transcript-Verlag erhältlich: www.transcript-verlag.de .

• Formales:
• Termin: Wegen der zu Beginn der Sitzung recht hohen Teilnehmerzahl bleibt es vorerst bei 18.15, Raum E405; über eine Vorverlegung auf 17 Uhr, wie von Mike angeregt, müsste noch einmal diskutiert werden.
• aufgrund der sehr geringen Kenntnisse an Marx'scher Primärliteratur wiederholt Uli seinen Vorschlag für diejenigen ohne Vorkenntnisse, „Lohn, Preis und Profit“ von Marx zu lesen; empfohlen wird ebenfalls folgende Einführung: Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung. Stuttgart 2004 (s. Lit.verz. Henning).
• Seminarstruktur: Kurzreferate zu den jeweiligen Themen und Textabschnitten sollen die Sitzungen einleiten; Voraussetzung ist dafür natürlich die Textkenntnis der TeilnehmerInnen; pro Sitzung sollte ein Protokoll angefertigt werden, um es allen zu ermöglichen, die Sitzung inhaltlich noch einmal zu rekapitulieren, und Abwesenden den Einstieg zu erleichtern.
• für die kommenden Sitzungen scheinen sich folgende Themen anzubieten:
• 02.11.: Marx' Religionskritik Mike Text: Henning 2.6.4
• 09.11.: Fehlrezeptionen Richard Wagner Text: Henning 2.1.1, .2, .6
• 16.11.: Marx in der ökon. Theorie - frei - Text: 2.3
weitere Themen (Reihenfolge veränderbar):
• Marx in der (deutschen) Soziologie* *Interesse bei Anna, sofern nach
dem 09.12.
• Lukacs: mystische Praxis
• Heidegger und ein Verphilosophieren Marx'scher Themen
• Kritische Theorie – die Anfänge* *Interesse angemeldet: Daniel
• '' – Fortsetzung(en) bei Habermas*
→ Haltestelle Heidegger: Festlegung des weiteren Vorgehens
Es wäre schön, wenn sich bald Interessenten für die Referate finden würden... :-)

• Inhaltliches:
• Uli stellt eine Zusammenfassung von Hennings Einleitung vor; deutlich wird, auch durch die Fragen der TeilnehmerInnen, dass wir uns überlegen sollten, ob es nicht doch sinnvoll wäre, einen bestimmten Textabschnitt, entweder direkt von Marx oder aus einer Einführung verbindlich zu lesen. Im Folgenden werden hier nun die wesentlichen Aspekte der Einleitung sowie an gegebener Stelle die Einwürfe, Randbemerkungen, Fragen, die dabei aufgetreten sind, festgehalten:
• Begründung der Arbeit: Henning spricht der Marx'schen Theorie eine Aktualität zu, die er unter anderem damit erklärt, dass sie die heutigen Phänomene erklären könne.
Einwurf: Was für Uli bedeutet, dass die heutigen Wissenschaften dies nicht können; auf diesen Aspekt werden wir im Verlauf des Seminars sicher noch zu sprechen kommen.
Henning sieht zwei mögliche Gründe und Haltungen für die fehlende Ver- und Anwendung der Marx'schen Theorie:
1. Der Sozialismus wird mit Marx gleichgesetzt, und da der Sozialismus „gestorben“ sei, sei die Marx'sche Theorie es auch. Henning argumentiert dagegen, dass der (real existierende) Sozialismus nicht mit der Marx'schen Theorie gleichgesetzt werden könne, da sich diese auch immer als Kritik verstanden habe
2. Der westliche Marxismus habe sich inhaltlich erschöpft und eine „inhaltliche Leere“ zurückgelassen.
Einwurf: Eine dritte mögliche Erklärung, nämlich dass die Marx'sche Theorie nicht mehr aktuell ist, wird von Henning nicht behandelt – er setzt die Aktualität als gegeben voraus, wie auch schon seinen einleitenden Worten zu entnehmen ist.
• Methodisches Vorgehen: Hennning beschränkt sich auf die deutschsprachige Rezeption und die „deutsche Philosophie“ (Zitat Lenin), die nach diesem eine der drei Quellen der Marx'schen Theorie war. Basierend auf der „Leerstelle“, die sich für Henning um das Marx'sche Werk heute auftut, ergibt sich für ihn die Konsequenz, zu Marx selber zurückzukehren – ohne eine neue Interpretation geben zu wollen, sondern um den Fokus auf die Wirkungsgeschichte mit ihren Rezeptionsbarrieren und Verzerrungen zu legen.
Einwurf: Die Leerstelle scheint so nicht in allen Bereichen gegeben zu sein, da z.B. in der UNO der Marx'sche Kapitalbegriff Verwendung finde; außerdem wird Marx in verschiedenen Zusammenhängen (z.T. allerdings falsch) zitiert, was aber als Zeichen dafür gedeutet werden kann, dass er im Gespräch „unverstanden“ bleibt.
Aktualität: Die durch die TNS Infratest-Studie und Kurt Becks Ausspruch der „Unterschicht“ ausgelöste Debatte um den Begriff bzw. (in der Studie) die gesellschaftliche Wirklichkeit.
Inhaltlicher Einwurf: Zu diskutieren ist, inwiefern heute alles (im weitesten Sinn des Wortes) von einer Logik des Marktes (S. 14) bestimmt ist. Dabei stehen sich das Alltagsverständnis (Markt als Ort des Tausches) und ein erweiteretes ökonomisches Verständnis gegenüber (kapitalistisches Prinzip – Konkurrenz, Umsatz/ Profit, Preis – wird mitgedacht).
• Hennning stellt drei Problembereiche des „Systems“ Kapitalismus mit seiner „Umwelt“ heraus: Seiner Ansicht nach betreffen diese Probleme die Bereiche der Gesellschaft, der Individuen und der Natur (S. 15).
Beispiel: „Gammelfleisch“: An diesem Beispiel kann (verkürzt) dargestellt werden, welche Unterscheidung Marx im „Kapital“ bzgl. der WARE trifft: Er unterscheidet dabei zwischen dem GEBRAUCHS- und dem TAUSCHWERT einer Ware, die sich fundamental voneinander unterscheiden können. Dabei ist der Verbraucher Gebrauchswert-orientiert, der Produzent/ Unternehmer dagegen Tauschwert-orientiert, letzteres ist dabei symptomatisch für den Warenkapitalismus.
• Bevor Henning auf die Sozialphilosophie zu sprechen kommt, skizziert er kurz die Grundzüge der KAPITALISTISCHEN PRODUKTIONSWEISE, die seiner Ansicht nach darin bestehen, dass es zum einen die Besitzer der Produktionsmittel, zum anderen die Arbeiter gebe, wobei das Ziel für erstere ist, Profit zu erwirtschaften. Dieser ergibt sich nach Marx dann, wenn die Arbeiter unbezahlte Mehrarbeit leisten, so dass Mehrwert entsteht. Eine Krise entstehe nach Henning dann, wenn zu wenig Profit an die besitzenden Klassen gehe.
Einwurf: Diese Interpretation der Marx’schen Theorie, besonders die Erklärung der Krise, ist, so Uli, zu diskutieren; allerdings sollten wir dazu näher auf die Begriffe „Arbeit“, „Kapital“, „Profit“, „Wert“ etc. eingehen.
• Normative Philosophie: Henning stellt als zentrales Problem der normativen Philosophie heraus, dass sie sich nicht mit der materiellen Basis beschäftige, d.h. das Sein zugunsten des Sollens vernachlässige (Abschnitt 1.3).
• Textauswahl und -besprechung: Um seinem Anspruch, „Aufräumarbeiten“ bzgl. der Marx'schen Theorie durchzuführen, gerecht zu werden, befragt Henning die ausgewählten Texte auf ihre immanent-funktionale Interpretation (von Marx) (S. 20). Die Texte, die Henning dazu auswählt, stellen eine breite inhaltliche, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema dar, wobei er sich explizit auf deutschsprachige Texte beschränkt, und danach fragen will, wie sich die jeweiligen Autoren zu Marx verhalten bzw. was es für sie heißt, wenn sie ihn ausblenden.
• Exkurs:
• Henning und Kant/ Wittgenstein: Anders als die Vertreter im Umfeld der Kritischen Theorie, die sich mit dem „Kapital“ vor allem unter dem Aspekt des Einflusses von Hegel und der Hegel'schen Dialektik befassten, bezieht sich Henning in der Einleitung explizit auf Kant und Wittgenstein; letzterem kommt dabei vor allem aufgrund seiner Nähe zu den Erfahrungen und Erscheinungen Bedeutung zu.
• „Arbeit“: Auf Anfrage greift Uli vor und versucht, das Marx'sche Verständnis von „Arbeit“ zu erläutern. Hier eine kurze Zusammenfassung – aber auch hier gilt: Wir kommen noch darauf zurück und sollten uns überlegen, ob wir diesbezüglich ggf. etwas von Marx lesen wollen.
Nach Marx besitzt die Arbeit einen Doppelcharakter, da man sie in „abstrakte“ und „konkret verausgabte“ Arbeit unterscheiden könne. Letztere Form trifft dabei das gesellschaftlich notwendige Moment der Arbeit, das mit dem Gebrauchswert der Ware verbunden ist. [Marx selber sah seinen Verdienst in der Betonung des Doppelcharakters der Arbeit sowie des Mehrwerts.] Jede Gesellschaft brauche dabei, so Marx, einen Mechanismus, der Arbeit verteilt und den Gebrauchswert herstellt; da der Kapitalismus diesen Mechanismus nicht herstelle, der Wert also in den Erscheinungen selbst nicht sichtbar sei, entstehe er über die Produktion: als gesellschaftlich notwendige Arbeit.
Beispiel: Durch andere Produktionsformen, wie z.B. eine neue Maschine, die es möglich macht, einen Stuhl in weniger Zeit und mit weniger Aufwand herzustellen, wird die – gesellschaftlich notwendige – Arbeit entwertet.